Aue-Geest-Gymnasium Harsefeld
Brakenweg 2, 21698 Harsefeld
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In der ers­ten Juli­wo­che (30.06. bis 04.07.2014) fand die dies­jäh­ri­ge Stu­di­en­fahrt aller Tuto­ri­ats­grup­pen des AGG Har­s­e­feld statt. Die 96 Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Jahr­gangs­stu­fe 11 reis­ten bei herr­li­chem Wet­ter gemein­sam mit vier Leh­re­rin­nen und einem Leh­rer nach Prag, in die Haupt­stadt der Tsche­chi­schen Repu­blik

Nach elf „stau­be­las­te­ten“ Stun­den Fahrt in beque­men Rei­se­bus­sen mit mode­ra­ten Fah­rern kamen wir in unse­rem ziem­lich zen­tral gele­ge­nen Hotel „City Club“ an. Die Schlüs­sel­ver­ga­be war dann so wie die gan­ze Woche: Es gab viel zu tun, aber alles lief gut gelaunt und ohne Stress ab, meist har­mo­nisch und kei­ner kam zu Scha­den.

Nach der „Inbe­sitz­nah­me“ der Zim­mer und dem gemein­sa­men Abend­brot in der bequem fuß­läu­fig erreich­ba­ren Gast­stät­te „Legen­da“ mach­ten wir uns in klei­nen Grup­pen auf die Suche nach öffent­li­chen, gut posi­tio­nier­ten Fern­seh­ge­rä­ten und fie­ber­ten mit der deut­schen Natio­nal­mann­schaft um den Ein­zug ins Vier­tel­fi­na­le bei der FIFA-WM mit.

Ent­spannt, aber kurz war dann die Nacht und nach einem klei­nen Früh­stück im Hotel hol­ten uns drei „Gui­des“ ab, um uns die Schön­hei­ten der „gol­de­nen Stadt“, wie Prag auch genannt wird, zu zei­gen, u.a. besich­tig­ten wir die Pra­ger Burg, den Hrad­cin. Im Anschluss ging es für eini­ge dann zum Shop­pen „ech­ter Fakes“ auf einen Asia­ten­markt, die ande­ren fuh­ren zwecks kur­zer Ruhe­pau­se ins Hotel.

Um 16.00 Uhr besich­tig­ten die Inter­es­sen­ten his­to­ri­schen Braue­rei­hand­wer­kes das legen­dä­re „U Fle­ku“ und erfuh­ren, dass es die­se Braue­rei bereits seit 1499 gibt, wie Bier über­haupt her­ge­stellt wird und dass damals auch die Kin­der­Bier beka­men, aller­dings ein Zwi­schen- und nicht das alko­ho­li­sier­te End­pro­dukt: einen dicken Brei, der gelöf­felt wur­de.

Eini­ge Zeit nach dem Abend­brot spa­zier­ten wir dann gemein­sam zur angeb­lich größ­ten Dis­co Zen­tral­eu­ro­pas „Kar­lo­vy Laz­ne“. Auf fünf Eta­gen ver­teilt fin­det man unter­schied­lichs­te Dis­cos, durch „spe­zi­al effects“ ergänzt, die Musik für jeden Geschmack anbie­ten, und man kann tan­zen, tan­zen, tan­zen. Zum Leid­we­sen eini­ger Schü­ler haben wir aller­dings schon um 1.00 Uhr mor­gens die „dance floo­rs“ ver­las­sen, als es doch eigent­lich gera­de erst so rich­tig voll und schön wur­de. Aber am Mitt­woch nach dem Früh­stück fuh­ren die Bus­se bereits um 8.30 Uhr vom Hotel ab in Rich­tung Burg Karl­stein. Wie prak­tisch, dass die­se 40 km von Prag ent­fernt ist – „Power­nap­ping“ für Fort­ge­schrit­te­ne.

Die ers­te Grup­pe wur­de in deut­scher Spra­che über die wech­sel­vol­le Geschich­te der wohl schöns­ten goti­schen Burg Böh­mens infor­miert, die zwei­te auf Eng­lisch, da der Gui­de erkrankt war. Bei wel­cher Füh­rung die Auf­merk­sam­keit grö­ßer war, ent­zieht sich mei­ner Kennt­nis. Am Nach­mit­tag char­ter­ten wir ein Mol­d­au­s­chiff, um eine Stun­de lang Prags Sehens­wür­dig­kei­ten, z.B. die berühm­te Karls­brü­cke, von der Was­ser­sei­te aus zu betrach­ten. Nach dem gemein­sa­men Abend­essen durf­te dann noch „aus­ge­schwärmt“ wer­den.

Am nächs­ten Mor­gen fuhr die ers­te Grup­pe nach einem frü­hen Früh­stück bereits um 7.30 Uhr nach Mla­da Bole­s­lav, um dort die Sko­da-Wer­ke zu besich­ti­gen. Dazu kurz ein paar Fak­ten: Die Flä­che, die das Fabrik­ge­län­de ein­nimmt, ist grö­ßer als das Fürs­ten­tum von Mona­co. Im letz­ten Jahr sind 20.000 Bewer­bun­gen bei „Sko­da“ ein­ge­gan­gen, man hät­te fast die kom­plet­te Beleg­schaft (ca. 23.000 Men­schen) aus­wech­seln kön­nen – 500 Arbei­ter wur­den ein­ge­stellt. 25 Stun­den dau­ert es, bis ein Sko­da fer­tig ist, 1200 Fahr­zeu­ge wer­den pro Tag pro­du­ziert und in 130 Län­der expor­tiert. Dabei hat alles ganz beschei­den ange­fan­gen: Zwei jun­ge Män­ner, noch kei­ne drei­ßig Jah­re alt, grün­de­ten 1895 ihr Unter­neh­men für Fahr­rad­pro­duk­ti­on und  –ersatz­tei­le. Dar­aus ent­wi­ckel­ten sich dann moto­ri­sier­te Zwei­rä­der und schließ­lich Autos.

Beson­ders inter­es­sant war es zuzu­schau­en, wie auf der Fer­ti­gungs­stra­ße, einem För­der­band, das sich lang­sam fort­be­wegt und nie still steht, fünf Arbei­ter gleich­zei­tig an einem Auto arbei­ten: Hin­ter­ein­an­der kom­men ver­schie­de­ne Model­le unter­schied­li­cher Aus­füh­run­gen und Farb­va­ri­an­ten „vor­bei“ und doch erhält jedes Auto die rich­ti­gen Tei­le. Logis­tik vom Feins­ten! Beacht­lich ist auch, dass die Arbei­ter durch inno­va­ti­ve Ideen, die sich ver­wirk­li­chen las­sen, am Gewinn des Kon­zerns betei­ligt sind.

Zur glei­chen Zeit besich­tig­te die zwei­te Grup­pe von Schü­lern das ehe­ma­li­ge Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger The­re­si­en­stadt, das in der NS-Zeit von den deut­schen Faschis­ten vor allem als Tran­sit­la­ger für jüdi­sche Men­schen auf dem Weg in die gro­ßen Ver­nich­tungs­la­ger genutzt wur­de. Es war ein Ort des Grau­ens und ein Zwi­schen­stopp in die Gas­kam­mern. Als 1942 die Juden­ver­nich­tung begann, wur­den die Opfer von hier aus in Todes­la­ger wie Ausch­witz gebracht. Bis zur Befrei­ung im Mai 1945 war The­re­si­en­stadt Durch­gangs­sta­ti­on für rund 140.000 Men­schen, dar­un­ter 15.000 Kin­der. Es war sehr beklem­mend, sich vor­zu­stel­len, dass hier 30.000 Men­schen an Hun­ger, Seu­chen und Miss­hand­lun­gen star­ben. Auch Hin­rich­tun­gen fan­den dort statt.

Der Nach­mit­tag wur­de von den Schü­lern genutzt, um die nach­hal­ti­gen Ein­drü­cke zu ver­ar­bei­ten. Nach dem Abend­brot besuch­ten wir gemein­sam das Schwarz­licht­thea­ter „Image“. Pan­to­mi­misch, tän­ze­risch und ein wenig „kla­mau­kig“ war die Vor­stel­lung und sie wur­de von den Schü­lern unter­schied­lich bewer­tet.

Nach einem letz­ten abend­li­chen Bum­mel durch Prag muss­ten dann bereits die Kof­fer wie­der gepackt und die Zim­mer auf­ge­räumt wer­den, denn am Frei­tag woll­ten wir so schnell wie mög­lich nach Hau­se, um das Fuß­ball­spiel unse­rer Elf gegen Frank­reich nicht zu ver­pas­sen. Lei­der kam es durch beson­de­re Umstän­de zu Ver­zö­ge­run­gen und wir tra­fen erst nach dem „Tooor!“ in Har­s­e­feld ein. Man sagt: Wenn Engel rei­sen, dann lache der Him­mel. Wir hat­ten wun­der­ba­res Wet­ter mit nur klei­nen, unbe­deu­ten­den Schau­ern.

Es war eine erleb­nis­rei­che, anstren­gen­de, aber sehr schö­ne Woche für alle Betei­lig­ten und wir als Leh­rer bedan­ken uns bei unse­ren Schü­lern dafür.